Corona hat das Leben durcheinander gebracht

Ein Statement von Maik Ross

Ich bin seit 1991 in den Medien aktiv, stehe seit 1992 als DJ und Moderator auf der Bühne und moderiere seit 1998 Radiosendungen bei den erfolgreichsten Stationen, die das tägliche Leben mit Leben füllen. Ich versuche ein Kumpel im Radio zu sein. Ebenso versuche ich, den Besuchern von Veranstaltungen eine kleine Auszeit vom stressigen und manchmal echt nervenden Alltag zu schenken. Ich habe mich als Schauspieler ausprobiert und stand als TV-Moderator vor der Kamera. Heute bin ich 42 Jahre alt. Ja, ich habe viel in meinem Leben ausprobiert und mein Credo dabei war immer, andere Menschen zu unterhalten. Für mich ist das Lebensinhalt. Alles, was ich tue, tue ich mit Leidenschaft und absoluter Hingabe. 

Für mich war es nie eine Diskussion wert, wenn Menschen vor mir standen und von ihrem engen Budget sprachen: "Rossi, wir haben kaum Geld, brauchen aber einen Moderator / Sprecher / DJ / etc." ... Ich war da und habe unglaublich viele Projekte für kein Geld als Gegenleistung oder für einen nur sehr schmalen Taler unterstützt. Wenn ich erkannt habe, dass ehrliche Menschen vor mir stehen, die etwas Großartiges vorhaben, dieses aber irgendwie nicht finanzieren können ... dann war ich da. Ohne Kompromisse. Ohne Diskussionen. Ohne Erwartungen. Ich war da. Punkt. Klar: ich wurde von Menschen auch oft ausgenutzt - meine Arbeit/Leistung wurde als 'selbstverständlich' hingenommen ... oftmals erhielt ich nicht mal ein einfaches 'Danke'. War mir egal. Ich konnte ja helfen und Andere glücklich machen ...

Wie jeder Mensch habe natürlich auch ich Höhen und Tiefen erlebt ... habe Einschläge akzeptieren und mich aus Rückschlägen erholen müssen ... Gerade das Showbusiness birgt unglaublich viele Risiken: Stimmt es, was dir der 'Anfragende' so erzählt? Wird man akzeptiert? Hat man Erfolg mit dem, was man (an)bietet? In meinem Leben bin ich oft auf dem Zahnfleisch gekrochen, habe aber auch den Himmel küssen dürfen. Wenn ich Kapazitäten hatte, habe ich sie gern mit anderen geteilt. Wenn ich selbst welche benötigte, waren die wenigsten da. So ist nunmal das Leben. Sagt ja schon das alte Sprichwort: "Als es mir gut ging auf Erden, wollten alle meine Freunde werden. Aber, als ich war in Not, waren meine Freunde plötzlich alle tot." Man lernt, damit umzugehen ...

Mein bisheriges Leben war eine Achterbahn ... ein Traum, aus dem man nie erwachen möchte! Aber:

Das Jahr 2020 hat gerade uns Künstlern aber gezeigt, dass dieser Traum zum Albtraum werden kann. Corona hat alles durcheinander gewirbelt. Es gab den allgemeinen Lockdown. Das Alltagsleben wurde heruntergefahren. Stück für Stück wurde Branche für Branche dann nach Wochen der Hilflosigkeit wieder zum Leben erweckt. Die Künstlerbranche wurde aber irgendwie vergessen. Während in Sportstadien zum Teil 7.500 Fans sitzen und ihrer Lieblingsfußball-Mannschaft zujubeln dürfen, ist es augenscheinlich nicht möglich, ein Stadtfest zu genehmigen, auf dem - mit entsprechendem Hygienekonzept - Verpflegungsstände und vor allem eine Bühne steht, vor der disziplinierte Menschen sitzen dürfen, die ihrer Lieblingsband bei der Live-Musik zuhören ... einem Moderator lauschen, der das Alltagsleben aufmischt ... eine Kindertanzgruppe bestaunt oder einem Zauberer mit großen Augen versucht, abzugucken, wie er seine Tricks umsetzt ... Der Alltag 2020 hat sich verändert. Die Maßstäbe haben sich verändert.

Ich bin Künstler. War ich immer. Mein Lebensinhalt war es immer, andere Menschen glücklich zu machen. Das habe ich auch nunmehr fast 30 Jahre umsetzen dürfen. Nunmehr ist es still geworden für Künstler wie mich. Wir schreiben das Jahr 2020. Es ist alles anders. 2 Jahre lang konnte ich keine Engagements annehmen, weil mich meine Gesundheit ausbremste. Im Jahr 2020 war mein Tourkalender endlich mal wieder voll. So voll, dass ich jedem einzelnen Veranstalter - und das war nie meine Art - sagen musste: "Tut mir leid, an diesem Tag hab ich leider schon was anderes vor!" 

Mein Kalender war voll. So wie der Tourkalender von tausenden anderen Künstlerkollegen in meiner Branche. Corona hat alles durcheinander gebracht. Urplötzlich wurden alle Veranstaltungen abgesagt. Urplötzlich ist das zum Greifen nah liegende Honorar für deine Arbeit nichtig. Urplötzlich zerplatzen Träume. Erklär deinem Kind einmal, dass der Urlaub nicht stattfinden wird. Erklär deiner Familie, dass die Reparatur des Autos nun doch etwas länger warten muss ... 

... natürlich sind Pläne immer nur Pläne. Natürlich gehört es zum Berufsrisiko, wenn plötzlich Aufträge wegbrechen, die fest verbucht waren. In diesem Maße fehlt mir aber nunmehr das Verständnis. Zahlreiche Veranstalter und Agenturen haben Konzepte entwickelt, die aufzeigen, wie Events eben doch stattfinden könnten. Eine Genehmigung haben sie nie gesehen. Wir leben auch weiterhin im Schatten der Corona-Entscheidungen ...

  

HELFT DER VERANSTALTUNGSBRANCHE! - Lasst Kultur wieder zu!

Es geht nicht nur um uns Künstler. Es geht vor allem um die Menschen, die hinter den Kulissen dafür arbeiten, dass Events überhaupt möglich sind. Viele von ihnen sind Soloselbständige, die langsam nicht mehr wissen, wie sie ihre Existenz sichern können. Auch ich habe Angst davor, dass nach dem "Event-Lockdown" Veranstaltungen zwar wieder möglich, aber die entsprechenden Gewerke längst pleite und nicht mehr da sind!

  

Unterstützt eure lokalen Eventmacher!

... und wenn ihr der Meinung seid: "Rossi macht nen geilen Job" ... dann würde ich mich auch über eure Unterstützung freuen. Ein einziger Euro von euch genügt ...